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Stellungnahmen - Prises de position - Prese di posizione

1993
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Vorwort - Préface - Premessa

Vorwort

Bereits ist es zur Tradition geworden, dass der Presserat jährlich seine Stellungnahmen veröffentlicht und so Rechenschaft ablegt über seine Arbeit. Er will aber nicht nur offenlegen, was er getan hat, er will auch Impulse geben - Impulse für ethische Debatten in den Redaktionen der Zeitungen und Zeitschriften, der Fernseh- und Radioprogramme der SRG, der Lokalradios, der Nachrichtenagenturen und von Teletext. Und er will deutlich machen, dass es für die Probleme des Journalismus in einer pluralistischen Konsumgesellschaft keine Patentantworten gibt. Die Wertordnungen einer Boulevardzeitung und einer religiösen Zeitschrift, eines kommerziellen Lokalradios und eines Kultur-Radioprogramms, eines ganz auf Unterhaltung ausgerichteten Fernsehkanals und eines Bildungsfernsehens sind nicht dieselben. Und auch die materiellen Mittel differieren. Darum muss der Presserat nicht nur die Prinzipien der ethischen Berufsregeln reiten, sondern auch die konkreten praktischen Bedingungen mitberücksichtigen.

Allerdings kann er nicht aus praktischen Gründen beide Augen zudrücken. Er kam 1993 nicht darum herum, die Lokalradios daran zu erinnern, dass die Prinzipien des unabhängigen, vorurteilslosen Journalismus auch für sie gelten. Er musste die Nachrichtenagenturen mahnen, dass sie grosse Recherchen freier Medienschaffender nicht anonym zitieren dürfen. Und er musste darauf aufmerksam machen, dass die Kommentare zwar frei sind, dass aber im Zeitalter der Forumsmedien nicht in der Luft zerfetzt werden sollte, was gar nie mitgeteilt worden ist.

Letztlich geht es immer wieder um die Glaubwürdigkeit des Journalismus. Glaubwürdigkeit hat mit Unabhängigkeit, mit kritischer Recherche und mit Fairness zu tun. Anhand der Behandlung von Personen des öffentlichen Lebens konnte der Presserat aufzeigen, wie heikel die Gratwanderung zwischen Achtung und Missachtung der Privatsphäre ist: Private Unterhaltungen auch sehr prominenter Menschen gehen die Massenmedien nichts an, öffentlich geäusserte private Gründe für einen politischen Vorgang hingegen schon. Der Presserat neigt jedoch eher der Ansicht zu, dass der Schutz der Privatsphäre verstärkt werden sollte, wie überhaupt die persönliche Integrität der Menschen mehr beachtet werden muss. Darum will er sein Augenmerk auch vermehrt auf Diskriminierungen wie Rassismus und Sexismus richten.

Roger Blum, Präsident des Presserates

See also: Agenturmeldungen,

Stellungnahmen - Prises de position - Prese di posizione * 1993 * Vorwort - Préface - Premessa


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