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Zum vierten Mal veröffentlicht der Presserat eine Sammlung seiner Stellungnahmen, zum zweiten Mal im jährlichen Rhythmus. Die Sammlung soll Rechenschaft darüber ablegen, womit sich der Presserat im Jahr 1992 auseinandergesetzt, welche Fälle er aufgrund einer Beschwerde und welche er aus eigenem Antrieb behandelt und wie er materiell Stellung bezogen hat. Es wäre zu wünschen, dass die Stellungnahmen in möglichst vielen Redaktionen konsultiert und weiterdiskutiert würden. Denn die journalistische Ethik bedarf der laufenden Debatte. Sie kann sich nur durchsetzen, wenn sie zur Maxime der einzelnen Medien wird - der Ressortverantwortlichen und der Chefredaktoren, der Verleger und der Programmdirektoren. Nur wenn die publizistischen Einheiten ethische Standards formulieren, diskutieren und kontrollieren, können die einzelnen Journalistinnen und Journalisten darauf behaftet werden. Nur in der alltäglichen Konfrontation dringen die Standards ins Bewusstsein der Medienschaffenden ein. Sich allein auf das Gewissen der Einzelnen zu verlassen, ist eine Illusion.
Je mehr die Fragen der journalistischen Ethik und der journalistischen Qualität diskutiert werden, um so eher besteht die Chance, dass sich die Verstösse gegen die „Erklärung der Pflichten und Rechte des Journalisten" verringern. Der grösste Erfolg des Presserates wäre, dass er eines Tages keine Arbeit mehr hätte und nicht mehr gezwungen wäre, Kolleginnen und Kollegen zu schelten. Gerade weil die Kollegenschelte etwas Unsympathisches ist, hat der Presserat im Berichtsjahr begonnen, Fragen stärker in ihrer grundsätzlichen Dimension auszuleuchten (Abhängigkeiten im Wirtschaftsjournalismus, Probleme des Reise-, Auto- und Sportjournalismus, Berichterstattung über Suizide, digitale Bildmanipulation) und nicht mehr am individuellen „Foul" hängenzubleiben. Denn bei individuellen Zurechtweisungen besteht stets die Gefahr, dass die Betroffenen die Stellungnahme des Presserates verärgert ignorieren und die übrigen Medienschaffenden entweder bloss Schadenfreude zeigen oder sich vollends desinteressieren. Werden hingegen die Probleme grundsätzlich beleuchtet, so fühlen sich womöglich fast alle angesprochen. Auch mit seiner verstärkten Oeffentlichkeitsarbeit will der Presserat das öffentliche Bewusstsein für Fragen der Medien-Ethik schärfen. Und mit den Verhandlungen zur Basiserweiterung, die er 1993 mit den anderen journalistischen Verbänden (SJU, SSM, VSRTA) führen will, soll angestrebt werden, mittelfristig die Legitimität des Presserates und seiner Arbeit zu erhöhen.
Roger Blum, Präsident des Presserates
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